Lĭ Shāngyĭn (813-858): Sòng Zhēnshī èrshŏu


李商隱、送臻師二首

昔去靈山    非佛席(1)             qù líng shān       fēi fú xī
今來滄海    欲求珠                Jīn lái cāng hăi        yù qiū zhū
楞伽頂上    清涼地                Léngjiā dĭng shàng  qīng liáng dì
善眼仙人    憶我無                Shàn yăn xiān rén    yì wŏ
 
苦海迷途    去未因                Kŭ hăi mí tú            qù wèi yīn
東方過此    幾微塵(2)            Dōng fāng guò cĭ     jĭ wēi chén
何當百億    蓮華上(3)            Hé dāng băi yì         lián huā shàng
一一蓮華    見佛身                Yī yī lián huā           jiàn fó shēn

In: Quan Tangshi 6176.

(1) Statt (fó, Buddha) wird auch (fú ) geschrieben 
(2) Statt (fāng, Richtung) wird auch (yóu, reisen, sich vergnügen) geschrieben
(3) Statt (yì, hundert Million) wird auch (yì, sich erinnern) geschrieben.
  Ein Beweis, dass man selbst im alten China Schwierigkeiten mit der Deutung des Textes gehabt haben muß.

Das Gedicht ist nicht datiert. Es entstand wahrscheinlich während Li Shangyins Aufenthalt in Sichuan zw. 851-855.
Die Identität des Priesters Zhen ist vollkommen unbekannt.
Lingshan 靈山 ist mit dem Berg Lingjiushan in Indien identisch. Dort soll Buddha seine Lehre verkündet und Faxien am Anfang des 5. Jahrhunderts übernachtet haben.
Lengjia  楞伽: Lankā (= Ceylon), wo Buddha erschien.

Ich gebe dem Priester Zhen das Geleite

Früher verließ ich den Geisterberg, ohne einen Sitz vor Buddha zu haben.
Jetzt komme ich zum blauen Meer und möchte die Perle finden.
Auf dem Gipfel von Lankā, in dem reinen und kühlen Ort
würden sich die gütigen Unsterblichen an mich erinnern?

Damals hatte ich keinen Grund, mich im Meer von Leid zu verirren.[1]
Im Osten war ich in diesem Ort - einige winzige Staubkörner.
Wann werde ich auf den unzähligen Lotusblüten,
auf jeden Lotusblatt den Körper von Buddha zu sehen bekommen?

[1] Oder: Die Menschen verirren sich auf dem Irrweg im Meer von Leid wegen der Ursachen aus der Vergangenheit und in der Zukunft.